Chemolumineszenz mit Oxalylchlorid
- Details
- Veröffentlicht am Samstag, 02. Juli 2011 00:00
- Geschrieben von Manfred Seidl
Versuchsbeschreibung:
Mit Oxalylchlorid, Essigsäureethylester, Wasserstoffperoxid und einem geeigneten Luminophor wird, eine Chemolumineszenz vorgeführt.
Verwendete Chemikalien:
| Chemikalie | Symbole | EUH- / H- / P-Sätze | Menge |
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Oxalylchlorid, C2Cl2O2
Synonyme: Oxalsäuredichlorid
CAS-Nr.: 79-37-8 WGK: 1
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Gefahr |
EUH014: Reagiert heftig mit Wasser. EUH029: Entwickelt bei Berührung mit Wasser giftige Gase. H314: Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden. H331: Giftig bei Einatmen. H335: Kann die Atemwege reizen. P304 + P340: BEI EINATMEN: An die frische Luft bringen und in einer Position ruhigstellen, die das Atmen erleichtert. P305 + P351 + P338: BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen. P301 + P330 + P331: BEI VERSCHLUCKEN: Mund ausspülen. KEIN Erbrechen herbeiführen. P309 + P310: BEI Exposition oder Unwohlsein: Sofort GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt anrufen. |
1mL |
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Essigsäureethylester, C4H8O2
Synonyme: Ethylacetat, Essigester, Ethylethanoat
CAS-Nr.: 141-78-6 WGK: 1
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Gefahr |
EUH066: Wiederholter Kontakt kann zu spröder oder rissiger Haut führen. H225: Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar. H319: Verursacht schwere Augenreizung. H336: Kann Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen. P210: Von Hitze/Funken/offener Flamme/heißen Oberflächen fernhalten. Nicht rauchen. P240: Behälter und zu befüllende Anlage erden. P305 + P351 + P338: BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen. |
100mL |
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Wasserstoffperoxid 30%, H2O2
Synonyme: Perhydrol, Wasserstoffsuperoxid
CAS-Nr.: 7722-84-1 WGK: 1 |
Gefahr |
H302: Gesundheitsschädlich bei Verschlucken. H318: Verursacht schwere Augenschäden. P280: Schutzhandschuhe/ Schutzkleidung/ Augenschutz/ Gesichtsschutz tragen. P305 + P351 + P338: BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen. |
10mL |
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Natriumsalicylat, C7H5NaO3
Synonyme: Salicylsäure Natriumsalz
CAS-Nr.: 54-21-7 WGK: 1
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Achtung |
H302: Gesundheitsschädlich bei Verschlucken. H319: Verursacht schwere Augenreizung. P260: Staub/Rauch nicht einatmen. P305 + P351 + P338: BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen. |
0.1g |
Geeignete Luminophore:
| Chemikalie | Symbole | EUH- / H- / P-Sätze | Menge |
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9,9'-Bianthryl, C28H18
Synonyme: 9-(9-Anthryl)anthracen, 9,9'-Bianthracenyl, 9,9'-Bianthranyl, 9,9'-Bianthryl, 9,9'-Dianthracen, Bianthracen, Bianthryl
CAS-Nr.: 1055-23-8 WGK: 1
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- |
Spatelspitze |
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9,10-Bis(phenylethinyl)-anthracen, C30H18 M: 378.46 g/mol
CAS-Nr.: 10075-85-1 WGK: 3
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Achtung |
H315: Verursacht Hautreizungen. H319: Verursacht schwere Augenreizung. H335: Kann die Atemwege reizen. P261: Einatmen von Staub/ Rauch/ Gas/ Nebel/ Dampf/ Aerosol vermeiden. P305 + P351 + P338: BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen. |
Spatelspitze |
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9,10-Diphenylanthracen, C26H18 M: 330.43 g/mol
CAS-Nr.: 1499-10-1 WGK: 3
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Spatelspitze |
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Magnesiumphthalocyanin, C32H16MgN8
Synonyme: Phthalocyanin Magnesiumsalz
CAS-Nr.: 1661-03-6 WGK: 3
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Spatelspitze |
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Perylen, C20H12
Synonyme: Dibenz(de,kl)anthracen
CAS-Nr.: 198-55-0 WGK: 3
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Spatelspitze |
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Rhodamin 6G, C28H31N2O3Cl
Synonyme: Basic Red I
CAS-Nr.: 989-38-8 WGK: 3
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Achtung |
H302: Gesundheitsschädlich bei Verschlucken. |
Spatelspitze |
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Rhodamin B, C28H31ClN2O3
Synonyme: Brillantrosa B, Safranilin, Rosazein
CAS-Nr.: 81-88-9 WGK: 2
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Gefahr |
H318: Verursacht schwere Augenschäden. H412: Schädlich für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung. P260: Staub nicht einatmen. P273: Freisetzung in die Umwelt vermeiden. P280: Augenschutz tragen. P305 + P351 + P338: BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen. |
Spatelspitze |
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Trans-9-(2-phenylethenyl)-anthracen, C22H16 M: 280.36 g/mol
CAS-Nr.: 42196-97-4
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Spatelspitze |
Verwendete Geräte, Versuchsaufbau:
10mL Messzylinder, 100mL Messzylinder, 250mL Messzylinder, Einwegpipette, Spatel, 100mL Becherglas, Magnetrührer, Rührfisch
Reaktionsgleichung:
Bei dieser Peroxioxalatchemolumineszenz reagiert Oxalylchlorid mit Wasserstoffperoxid. Wie die Reaktion im Einzelnen abläuft, wird noch immer diskutiert. Von allgemeiner Beliebtheit ist der Weg über das 1,2-Dioxetandion. Dieses wird in der Weise gebildet, dass das Peroxid die beiden Kohlenstoffatome der Carbonylgruppen, die, auch bedingt durch ihre Substituenten, partiell stark positiv geladen sind, nucleophil angreift. Bei der nun (zweimal) ablaufenden nucleophilen Substitution werden zwei Chloranionen und das 1,2-Dioxetandion erhalten:

Das 1,2-Dioxetandion ist trotz der bestehenden Ringspannung und der eingebauten reaktiven Heteroatome verhältnismäßig stabil. Erst nach Zusatz von Sensibilisatoren zerfällt das 1,2-Dioxetandion. Und zwar auf zwei verschiedenen Wegen: Der größere Teil (70%) zerfällt in zwei Moleküle Kohlenstoffdioxid, der Rest vermutlich zu Oxalsäureperoxianhydrid.

Dieses substituierte Dioxiran oder vielmehr der Zerfall dieses Moleküls bildet nun die entscheidende Grundlage für die Lumineszenz. Das sehr instabile Oxalsäureperoxianhydrid zerfällt seinerseits erst mal unter Abgabe von Kohlenstoffmonoxid zu Dioxiranon. Die Reaktion stoppt an dieser Stelle nicht, sodass es nun auch zu einem Zerfall des Dioxiranons zu einem weiteren Molekül Kohlenstoffmonoxid und atomarem Sauerstoff kommt.

Das Sauerstoffradikal reagiert mit dem reichlich vorhandenen Kohlenstoffmonoxid zu angeregtem Kohlenstoffdioxid. Die Energie der Anregung kann auf den zu Anfang zugesetzten Sensibilisator, das Luminophor, übertragen werden. Das jetzt elektronisch angeregte Luminophor kann in den unangeregten Grundzustand zurückkehren, in dem die aufgenommene Energie in Form von Licht abgegeben wird:

Dieser Reaktionsablauf wäre der „Idealfall“. Doch ist es leider nicht so einfach, diesen Fall zu erwirken. Durch das Vorhandensein von recht reaktiven Verbindungen, vor allem der erwähnten Radikale und des Peroxids, kann es durchaus zu einer Vielfalt von unerwünschten Nebenreaktionen kommen, die den Reaktionsablauf hemmen oder erst gar nicht zustande kommen lassen.
Es ist allerdings möglich, die Reaktion durch Wahl geeigneter äußerer Bedingungen, wie dem Lösungsmittel oder dem richtigen pH-Bereich, in die gewünschte Richtung zu lenken.
Quelle der Herstellungsvorschrift, Reaktionsgleichungen: Christopher Lebeau, »
Chemolumineszenz der Oxalsäureester unter besonderer Berücksichtigung substituierter kondensierter benzoider Aromaten und ihre Wirkung als Luminophore«, 2006
Versuchsdurchführung:
In einem 100mL Becherglas werden 25mL Essigsäureethylester vorgelegt und 1mL Oxalylchlorid zugegeben.
10mL Wasserstoffperoxid 30% werden in einem 250mL Messzylinder vorgelegt, darin 0.1g Natriumsalicylat und eine Spatelspitze Luminophor gelöst. Anschließend werden noch 75mL Essigsäureethylester zugegeben und der Messzylinder mit einem Rührfisch bestückt.
Der Messzylinder wird nun auf den Magnetrührer gestellt. Die Drehzahl sollte so gewählt werden, dass eine gute Durchmischung gewährleistet ist.
Der Raum wird abgedunkelt und die Oxalylchlorid-Lösung in den Messzylinder gegeben.
Es zeigt sich eine prächtige Chemolumineszenz. Die Farbe, Intensität und Leuchtdauer hängt vom jeweiligen Luminophor ab.
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