Chemolumineszenz mit Bis(2,4-dinitrophenyl)-oxalat
- Details
- Veröffentlicht am Montag, 04. Juli 2011 00:00
- Geschrieben von Manfred Seidl
Versuchsbeschreibung:
Mit Bis(2,4-dinitrophenyl)-oxalat, Essigsäureethylester, Natronlauge 0,3%, Natriumbenzoat 0,3% bzw. Natriumsalicylat 0,3%, Wasserstoffperoxid 30% und einem geeigneten Luminophor wird, eine Chemolumineszenz vorgeführt.
Verwendete Chemikalien:
| Chemikalie | Symbole | EUH- / H- / P-Sätze | Menge |
|---|---|---|---|
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Bis(2,4-dinitrophenyl)-oxalat, C14H6N6O12
Synonyme: 2,4-Dinitrophenyloxalat, DNPO, Oxalsäure-bis(2,4-dinitrophenyl)-ester
CAS-Nr.: 16536-30-4 WGK: 3
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Achtung |
H315: Verursacht Hautreizungen. H319: Verursacht schwere Augenreizung. H335: Kann die Atemwege reizen. P261: Einatmen von Staub/ Rauch/ Gas/ Nebel/ Dampf/ Aerosol vermeiden. P305 + P351 + P338: BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen. |
0.6g |
Essigsäureethylester, C4H8O2 Synonyme: Ethylacetat, Essigester, Ethylethanoat CAS-Nr.: 141-78-6 WGK: 1
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Gefahr |
EUH066: Wiederholter Kontakt kann zu spröder oder rissiger Haut führen. H225: Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar. H319: Verursacht schwere Augenreizung. H336: Kann Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen. P210: Von Hitze/Funken/offener Flamme/heißen Oberflächen fernhalten. Nicht rauchen. P240: Behälter und zu befüllende Anlage erden. P305 + P351 + P338: BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen. |
100mL |
Natriumhydroxid, NaOH Synonyme: Ätznatron CAS-Nr.: 1310-73-2 WGK: 1 |
Gefahr |
H290: Kann gegenüber Metallen korrosiv sein. H314: Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden. P280: Schutzhandschuhe/ Schutzkleidung/ Augenschutz/ Gesichtsschutz tragen. P301 + P330 + P331: BEI VERSCHLUCKEN: Mund ausspülen. KEIN Erbrechen herbeiführen. P305 + P351 + P338: BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen. |
0.3g |
Natriumbenzoat, C7H5NaO2 Synonyme: Benzoesäure Natriumsalz CAS-Nr.: 532-32-1 WGK: 1
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0.3g |
Natriumsalicylat, C7H5NaO3 Synonyme: Salicylsäure Natriumsalz CAS-Nr.: 54-21-7 WGK: 1
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Achtung |
H302: Gesundheitsschädlich bei Verschlucken. H319: Verursacht schwere Augenreizung. P260: Staub/Rauch nicht einatmen. P305 + P351 + P338: BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen. |
0.3g |
Wasserstoffperoxid 30%, H2O2 Synonyme: Perhydrol, Wasserstoffsuperoxid CAS-Nr.: 7722-84-1 WGK: 1 |
Gefahr |
H302: Gesundheitsschädlich bei Verschlucken. H318: Verursacht schwere Augenschäden. P280: Schutzhandschuhe/ Schutzkleidung/ Augenschutz/ Gesichtsschutz tragen. P305 + P351 + P338: BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen. |
1mL |
Geeignete Luminophore:
| Chemikalie | Symbole | EUH- / H- / P-Sätze | Menge |
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9,9'-Bianthryl, C28H18
Synonyme: 9-(9-Anthryl)anthracen, 9,9'-Bianthracenyl, 9,9'-Bianthranyl, 9,9'-Bianthryl, 9,9'-Dianthracen, Bianthracen, Bianthryl
CAS-Nr.: 1055-23-8 WGK: 1
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Spatelspitze |
9,10-Bis(phenylethinyl)-anthracen, C30H18 M: 378.46 g/mol CAS-Nr.: 10075-85-1
WGK: 3
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Achtung |
H315: Verursacht Hautreizungen. H319: Verursacht schwere Augenreizung. H335: Kann die Atemwege reizen. P261: Einatmen von Staub/ Rauch/ Gas/ Nebel/ Dampf/ Aerosol vermeiden. P305 + P351 + P338: BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen. |
Spatelspitze |
9,10-Diphenylanthracen, C26H18 M: 330.43 g/mol CAS-Nr.: 1499-10-1
WGK: 3
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Spatelspitze |
Magnesiumphthalocyanin, C32H16MgN8 Synonyme: Phthalocyanin Magnesiumsalz CAS-Nr.: 1661-03-6 WGK: 3
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Spatelspitze |
Perylen, C20H12 Synonyme: Dibenz(de,kl)anthracen CAS-Nr.: 198-55-0 WGK: 3
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Spatelspitze |
Rhodamin 6G, C28H31N2O3Cl Synonyme: Basic Red I CAS-Nr.: 989-38-8 WGK: 3
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Achtung |
H302: Gesundheitsschädlich bei Verschlucken. |
Spatelspitze |
Rhodamin B, C28H31ClN2O3 Synonyme: Brillantrosa B, Safranilin, Rosazein CAS-Nr.: 81-88-9 WGK: 2
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Gefahr |
H318: Verursacht schwere Augenschäden. H412: Schädlich für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung. P260: Staub nicht einatmen. P273: Freisetzung in die Umwelt vermeiden. P280: Augenschutz tragen. P305 + P351 + P338: BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen. |
Spatelspitze |
Trans-9-(2-phenylethenyl)-anthracen, C22H16 M: 280.36 g/mol CAS-Nr.: 42196-97-4
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Spatelspitze |
Verwendete Geräte, Versuchsaufbau:
2x 10mL Messzylinder, 50mL Messzylinder, Einwegpipetten, Spatel, Gummistopfen, Reagenzglas, 100mL Gewindeflasche, 250mL Becherglas
Reaktionsgleichung:
Bei der Peroxioxalatchemolumineszenz reagiert ein Oxalsäureester eines Phenols mit Wasserstoffperoxid. Wie die Reaktion im Einzelnen abläuft, wird noch immer diskutiert. Von allgemeiner Beliebtheit ist der Weg über das 1,2-Dioxetandion. Dieses wird in der Weise gebildet, dass das Peroxid die beiden Kohlenstoffatome der Carbonylgruppen, die, auch bedingt durch ihre Substituenten, partiell stark positiv geladen sind, nucleophil angreift. Bei der nun (zweimal) ablaufenden nucleophilen Substitution werden zwei Moleküle des Nucleofugs (das bei der Veresterung eingesetzte Phenolderivat) und das 1,2-Dioxetandion erhalten:

Das 1,2-Dioxetandion ist trotz der bestehenden Ringspannung und der eingebauten reaktiven Heteroatome verhältnismäßig stabil. Erst nach Zusatz von Sensibilisatoren zerfällt das 1,2-Dioxetandion. Und zwar auf zwei verschiedenen Wegen: Der größere Teil (70%) zerfällt in zwei Moleküle Kohlenstoffdioxid, der Rest vermutlich zu Oxalsäureperoxianhydrid.

Dieses substituierte Dioxiran oder vielmehr der Zerfall dieses Moleküls bildet nun die entscheidende Grundlage für die Lumineszenz. Das sehr instabile Oxalsäureperoxianhydrid zerfällt seinerseits erst mal unter Abgabe von Kohlenstoffmonoxid zu Dioxiranon. Die Reaktion stoppt an dieser Stelle nicht, sodass es nun auch zu einem Zerfall des Dioxiranons zu einem weiteren Molekül Kohlenstoffmonoxid und atomarem Sauerstoff kommt.

Das Sauerstoffradikal reagiert mit dem reichlich vorhandenen Kohlenstoffmonoxid zu angeregtem Kohlenstoffdioxid. Die Energie der Anregung kann auf den zu Anfang zugesetzten Sensibilisator, das Luminophor, übertragen werden. Das jetzt elektronisch angeregte Luminophor kann in den unangeregten Grundzustand zurückkehren, in dem die aufgenommene Energie in Form von Licht abgegeben wird:

Dieser Reaktionsablauf wäre der „Idealfall“. Doch ist es leider nicht so einfach, diesen Fall zu erwirken. Durch das Vorhandensein von recht reaktiven Verbindungen, vor allem der erwähnten Radikale und des Peroxids, kann es durchaus zu einer Vielfalt von unerwünschten Nebenreaktionen kommen, die den Reaktionsablauf hemmen oder erst gar nicht zustande kommen lassen.
Es ist allerdings möglich, die Reaktion durch Wahl geeigneter äußerer Bedingungen, wie dem Lösungsmittel oder dem richtigen pH-Bereich, in die gewünschte Richtung zu lenken.
Versuchsdurchführung:
In eine 100mL Gewindeflasche werden 0.6g Bis(2,4-dinitrophenyl)-oxalat und 100mL Essigsäureethylester gegeben. Es wird jetzt, solange geschüttelt bis sich möglichst viel des Oxalsäureesters gelöst hat.
Die Natronlauge 0.3% wird durch Lösen von 0.3g Natriumhydroxid in 99.7g Wasser hergestellt. Analog wird auch die Natriumbenzoat-Lösung bzw. Natriumsalicylat-Lösung hergestellt.
In das bereitgestellte Reagenzglas werden nun 5mL der Oxalsäureesterlösung, 4 Tropfen Natronlauge 0.3% oder 1mL Natriumbenzoat-Lösung 0.3% bzw. 1mL Natriumsalicylat-Lösung 0.3%, eine Spatelspitze Luminophor und 1mL Wasserstoffperoxid 30% gegeben. Das Reagenzglas wird mit einem Gummistopfen verschlossen und kräftig geschüttelt. Es zeigt sich augenblicklich eine sehr helle Chemolumineszenz.
Quelle der Herstellungsvorschrift, Reaktionsgleichungen: Christopher Lebeau, »
Chemolumineszenz der Oxalsäureester unter besonderer Berücksichtigung substituierter kondensierter benzoider Aromaten und ihre Wirkung als Luminophore«, 2006
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