Login

   

Oszillierende Ioduhr

Details

Versuchsbeschreibung:

Die Lösungen werden nacheinander in ein 2L Becherglas gegossen und anschließend noch 5mL gesättigte Stärkelösung zugegeben.

 

Verwendete Chemikalien:

Chemikalie Symbole EUH- / H- / P-Sätze Menge

Kaliumiodat, KIO3

M: 214,00 g/mol

CAS-Nr.: 7758-05-6
EG-Nr.: 231-831-9

WGK: 1

GHS 03 - Flamme über einem Kreis

GHS 05 - Ätzwirkung

Gefahr

H272: Kann Brand verstärken; Oxidationsmittel.

H318: Verursacht schwere Augenschäden.

P305 + P351 + P338: BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen.

14.3g

Wasserstoffperoxid 30%, H2O2

Synonyme: Perhydrol, Wasserstoffsuperoxid
M: 34.01 g/mol

CAS-Nr.: 7722-84-1
EG-Nr.: 231-765-0

WGK: 1

GHS 05 - Ätzwirkung

GHS 07 - Ausrufezeichen

Gefahr

H302: Gesundheitsschädlich bei Verschlucken.

H318: Verursacht schwere Augenschäden.

P280: Schutzhandschuhe/ Schutzkleidung/ Augenschutz/ Gesichtsschutz tragen.

P305 + P351 + P338: BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen.

122.4mL

Malonsäure, C3H4O4

Synonyme: 1,3-Propandisäure
M: 104.06 g/mol

CAS-Nr.: 141-82-2
EG-Nr.: 205-503-0

WGK: 1

Strukturformel Malonsäure

GHS 05 - Ätzwirkung

GHS 07 - Ausrufezeichen

Gefahr

H302: Gesundheitsschädlich bei Verschlucken.

H318: Verursacht schwere Augenschäden.

P280: Schutzhandschuhe / Augenschutz / Gesichtsschutz tragen.

P305 + P351 + P338: BEI BERÜHRUNG MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser ausspülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter ausspülen.

5.2g

Mangan(II)-sulfat Monohydrat, MnSO4 * H2O

M: 169.00 g/mol

CAS-Nr.: 10034-96-5
EG-Nr.: 232-089-9

WGK: 1

GHS 08 - Gesundheitsgefahr

GHS 09 - Umwelt

Achtung

H373: Kann die Organe schädigen bei längerer oder wiederholter Exposition.

H411: Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung.

P273: Freisetzung in die Umwelt vermeiden.

P314: Bei Unwohlsein ärztlichen Rat einholen/ärztliche Hilfe hinzuziehen.

1.1g

Perchlorsäure 60%, HClO4

Synonyme: Überchlorsäure
M: 100.46 g/mol

CAS-Nr.: 7601-90-3
EG-Nr.: 231-512-4

WGK: 1

GHS 03 - Flamme über einem Kreis

GHS 05 - Ätzwirkung

Gefahr

H271: Kann Brand oder Explosion verursachen; starkes Oxidationsmittel.

H314: Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden.

P220: Von Kleidung/brennbaren Materialien fernhalten/entfernt aufbewahren.

P280: Schutzhandschuhe/ Schutzkleidung/ Augenschutz/ Gesichtsschutz tragen.

P301 + P330 + P331: BEI VERSCHLUCKEN: Mund ausspülen. KEIN Erbrechen herbeiführen.

P305 + P351 + P338: BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen.

P310: Sofort GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt anrufen.

5.9mL

Stärke löslich, (C6H10O5)n

CAS-Nr.: 9005-84-9
EG-Nr.: 232-679-6

WGK: 1

Strukturformel Stärke

 

-

 

 

Verwendete Geräte, Versuchsaufbau:

Magnetrührer, Magnetfisch, drei 600mL Bechergläser, zwei 50mL Bechergläser, 1L Colaflasche

 

Reaktionsgleichung:

Siehe Reaktionsmechanismus.

 

Kurzerläuterung:

Bei Anwesenheit von Säure (H3O+) reagieren Iodat und Iodid zu iodiger und hypoiodiger Säure. Über mehrere Zwischenstufen wird aus diesen Säuren elementares Iod frei. Somit wird die Lösung bernsteinfarben. Nun wird die Malonsäure iodiert.

Überschüssiges Iod färbt die Stärke blau. Es bildet sich ein sogenannter Iod-Stärke-Komplex.

Sinkt die Konzentration der Iodid-Ionen beginnt Prozess B. Die iodige Säure setzt sich mit Iodat zu radikalischem Ioddioxid um. Durch den Katalysator Mangan(II)-sulfat wird dieses oxidiert und es entsteht wieder hypoiodige Säure (autokatalytischer Teilschritt). Im Prozess C kommt es zur Neubildung der Iodid-Ionen (Lösung wird farblos). Prozess A beginnt erneut.

 

Versuchsdurchführung:

Für die Lösungen 1 bis 3 werden 600mL Bechergläser verwendet. Bei Lösung 4 ein 50mL Becherglas und bei Lösung 5 ein 250mL Becherglas.

Lösung 1: 122.4mL Wasserstoffperoxid 30% in 300mL dest. Wasser geben.

Lösung 2: 14.3g Kaliumjodat in 300mL dest. Wasser lösen.

Lösung 3: 5.2g Malonsäure und 1.1g Mangan(II)-sulfat Monohydrat in 300mL dest. Wasser lösen.

Lösung 4: 5.9mL Perchlorsäure 60% abmessen.

Lösung 5: 100mL dest. Wasser vorlegen und zum Sieden erhitzen. Nun so viel Stärke zugeben, bis sich keine Stärke mehr löst. Von dieser Lösung werden ca. 10mL verwendet.

Auf einem Magnetrührer wird ein 2L Becherglas mit passendem Rührfisch bereitgestellt. In dieses Becherglas werden nun nacheinander die Lösungen 1-4 gegossen und gerührt. Nun werden etwa 10mL der Stärkelösung zugegeben.

 

So sieht es aus:

Oszillierende Ioduhr Oszillierende Ioduhr Oszillierende Ioduhr Oszillierende Ioduhr Oszillierende Ioduhr Oszillierende Ioduhr

 

Video:

 

Download

Reaktionsmechanismus

Die Vorgänge im BR-System können mithilfe eines im Jahre 1982 von S. D. Furrow und R. M. Noyes vorgeschlagenen Reaktionsmodells erklärt werden. In diesem Modell werden 30 Elementarreaktionen postuliert, auf die jedoch nicht ausführlich eingegangen werden kann.

Furrow und Noyes erachten aber 11 der 30 Elementarreaktionen als ausreichend, um das oszillatorische Verhalten des BR-Systems verständlich zu machen. Ebenso wie bei der BZ-Reaktion lassen sich die wichtigsten Teilschritte der BR-Reaktion drei großen Prozessen zuordnen.

Wie in dem abgebildeten Übersichtsschema deutlich wird, beinhaltet Prozess A nichtradikalische Reaktionen die bevorzugt bei hoher Iodidionenkonzentration stattfinden. Fällt im System die Iodidionenkonzentration durch Ablauf von Prozess A unter einen kritischen Wert, so gewinnen die im Prozess B zusammengefassten radikalischen Reaktionen an Bedeutung.

Die Prozesse A und B sind über eine dritte Reaktionsgruppe, Prozess C, miteinander gekoppelt. Prozess C hat für das Gesamtsystem eine wichtige Steuerungsfunktion: Dadurch, dass in diesem Prozess die Neubildung von Iodid aus den Reaktionsprodukten von Prozess B erfolgt, kommt es nach einem bestimmten Zeitraum zur Hemmung von Prozess B und das System wird auf den bei hoher Iodidkonzentration bevorzugt ablaufenden Prozess A „umgeschaltet".

Schematische Darstellung des Reaktionsmodells

 

Die in den Prozessen A, B und C zusammengefassten Teilreaktionen sollen im folgenden genauer betrachtet werden:

Prozeß A (A I)

Im bei hoher Iodidionenkonzentration dominanten Prozess A erfolgt zunächst die Reaktion von Iodid mit Iodat zu iodiger Säure und hypoiodiger Säure. In einer Komproportionierungsreaktion wird die gebildete iodige Säure anschließend mit Iodid zu hypoiodiger Säure umgesetzt. Schließlich entsteht in einem weiteren Komproportionierungsschritt elementares Iod. (A I) stellt die summarische Bilanzierung der Reaktionsschritte (A 1), (A 2) und (A 3) dar. Im nächsten Teilschritt wird die im Reaktionsgemisch vorliegende Malonsäure iodiert.

Prozeß A (A II)

Fasst man die Reaktionsschritte (A I) und (A II) zusammen, so wird deutlich, dass in Prozess A letztendlich die Iodierung von Malonsäure unter Verbrauch von Iodat und Iodid erfolgt.

Prozeß A gesamt

Ist nun die Iodidionenkonzentration durch Ablauf von Prozess A unter einen kritischen Wert gefallen, so gewinnt Prozess B die Kontrolle über das System.

Prozeß B (B1 und B2)

Bei geringer Iodidkonzentration können Iodationen mit Iodidionen um die in Reaktionsschritt (A 1) gebildete iodige Säure konkurrieren. In einer Komproportionierungsreaktion setzt sich iodige Säure zunächst mit Iodat zu radikalischem Ioddioxid um. Im nächsten Schritt wird dann die reduzierte Form des Redoxkatalysators durch das entstandene Ioddioxid oxidiert, wobei als wichtiges Reaktionsprodukt hypoiodige Säure gebildet wird. Summiert man die Reaktionen (B 1) und (B 2), so wird ersichtlich, dass Prozess B einen autokatalytischen Teilschritt beinhaltet. Wie bereits erwähnt wurde, stellt Rückkopplung in Form von Autokatalyse ein wesentliches Merkmal der homogenen Oszillationsreaktionen dar.

Prozeß B I

(B I) ist autokatalytisch bezüglich der iodigen Säure: Die Umsetzung eines HIO2-Moleküls führt jeweils zur Bildung zweier Moleküle dieser Spezies.

Die in der Reaktionsfolge (B 1) und (B 2) entstandene iodige Säure wird im anschließenden Schritt durch eine Disproportionierung zu hypoiodiger Säure und Iodat wieder verbraucht:

Prozeß B II

Fasst man nun die als (B I) und (B II) bezeichneten Reaktionen zusammen, so wird deutlich, dass in Prozess B letztendlich die reduzierte Form des Redoxkatalysators durch Iodat oxidiert wird, wobei u. a. die für das Gesamtsystem wichtigen Reaktionsprodukte hypoiodige Säure und [Mn(H20)5(OH)]3+ entstehen.

Prozeß B gesamt

Wie im vorangehenden erläutert wurde, ist es im BR-System die Konzentration des Intermediaten Iodid, welche den Übergang von Prozess A zu Prozess B steuert. Während bei hoher Iodidkonzentration Prozess A dominant ist, gewinnt Prozess B immer dann an Bedeutung, wenn durch Ablauf von Prozess A die Konzentration dieser intermediären Spezies unter eine kritischen Wert gesunken ist. Damit nun aber Oszillationen zustande kommen können, muss es noch eine dritte Gruppe von Reaktionen geben, die das System wieder von Prozess B auf Prozess A zurückschaltet.

Diese Steuerungsfunktion kommt im BR-System Prozess C zu. Die beiden wichtigsten Aufgaben dieses Prozesses sind die folgenden:

  • In Prozess C erfolgt die Neubildung von Iodidionen aus den in Prozess B entstandenen Reaktionsprodukten. Folglich wird Prozess B mit gewisser zeitlicher Verzögerung inhibiert und der bei hoher Iodidkonzentration bevorzugte Prozess A kann wieder die Kontrolle über das System übernehmen. Durch diese Form der negativen Rückkopplung schließt sich der Kreis.
  • Prozess C hat aber noch eine weitere Funktion, die für das oszillatorische Verhalten des BR-Systems entscheidend ist: Dadurch, dass im Laufe dieses Prozesses die Überführung des Redoxkatalysators in seine reduzierte Form erfolgt, wird die Voraussetzung für die nächste Oszillation des Systems geschaffen.
  • In Prozess C erfolgt zudem die Zersetzung von Wasserstoffperoxid zu Wasser und Sauerstoff. Da diese Reaktion stark exergonisch ist, stellt sie - ebenso wie die in Prozess A erfolgende Bildung von Iodmalonsäure - eine treibende Kraft für den gesamten Reaktionsverlauf dar.

Die in Prozess C ablaufenden Reaktionen sollen nun im einzelnen betrachtet werden:

Prozeß C (C1, C2, C3)

Zunächst wird der in reduzierter Form vorliegende Redoxkatalysator durch Wasserstoffperoxid oxidiert. Die dabei entstehenden Perhydroxylradikale werden im nächsten Schritt zu Wasserstoffperoxid und Sauerstoff umgesetzt. Die Neubildung von Iodid erfolgt in Prozess C durch Reaktion von Wasserstoffperoxid mit der in Prozess B gebildeten hypoiodigen Säure.

Die Reaktionsschritte (C 1) - (C 3) lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

Prozeß C gesamt

 

Reaktionsmechanismus-Quelle: Wintersemester 1996/1997, Veranstaltung: Übungen im Experimentalvortrag für Lehramtskandidaten, Leitung: Dr. J. Butenuth, Dr. E. Gerstner, Prof. Dr. H. Perst, Anke Marburger, Oszillierende Reaktionen und Strukturbildungsphänomene, http://www.chids.de/dachs/expvortr/578.pdf


   

Besucherzahlen

Heute96
Gestern654
Diese Woche1619
Dieser Monat13729
Insgesamt914307
   
© Chem-Page.de